Mittwoch, 1. April 2009

Oft nachgefragt, nun gibt's hier auch die Rede zur Vernissage. Nachgedachtes von Kat:

„Die Photographie ist eine wunderbare Entdeckung, eine Wissenschaft, welche die größten Geister angezogen, eine Kunst, welche die klügsten Denker angeregt – und doch von jedem Dummkopf betrieben werden kann“, so die Einschätzung von Nadar, einem französischen Fotografen im Jahr 1856.

Nun, im Zeitalter von Digitalkamera und Handyknipse kann man tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass jede und jeder mit einer Kamera auch ein Fotograf ist. Das dem nicht so ist, zeigt die Ausstellung, die heute hier eröffnet wird.

Eine Fotografie ist mehr als das Abbild der Wirklichkeit, sie ist auch mehr als das Festhalten eines Augenblicks. Eine Fotografie, die sich von einem spontanen und erinnerungsorientierten Foto unterscheiden will, muss Verschiedenes leisten: Sie muss bewusst mit dem Licht des Ortes arbeiten. Das heißt, sie nutzt es zur Modulation, zur Hervorbringung des Wichtigen und damit zur Abgrenzung vom Unwichtigen. Ihr muss gleichzeitig das Allgemeine als auch das Exemplarische gelingen, wenn sie erkennbar sein und doch irritieren will. Sie hält den Augenblick fest und weist darüber hinaus auf Etwas, das jenseits dessen als Unendlichkeit des Moments von Menschen wiedererkannt wird. Und bei alldem bleibt sie geheimnisvoll, gibt Rätsel auf, erzählt nur einen Teil der hinter dem Motiv stehenden Geschichte.

Die Fotografien, die in dieser Bar erstmals ausgestellt werden, sind im doppelten Sinne zu sehen. Sie sind hier entstanden und sie kehren hierher zurück. Aber weder sie selbst noch der Ort sind das, was sie zum Zeitpunkt der Aufnahme noch waren. Insofern sind die Fotografien wie Bilder im Bild, fotografierte Perspektive auf einen Ort in genau diesem, sich sichtbar ändernden Ort.

Wer mit einem Zitat beginnt, der kann auch mit einem enden. Und weil dies heute die Einzelausstellung von Tom ist und ich ihm wünsche, dass es ein guter, frecher, genussreicher Abend wird – und dies auch mit Hilfe von unserem lieben Freund Andreas & seiner Band – will ich jemanden zitieren, dessen Zeichnungen euch wohl vertraut sind, Wilhelm Busch:

"Ehre dem Photographen! Denn er kann nichts dafür!"

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